Ich bin ein Landei und stolz drauf 🙂 Ich erinnere mich so gerne an meine Kindheit zurück, in der ich quasi 24/7 draußen war und auch viel Zeit am Bauernhof meiner Tante verbracht habe. Schon damals habe ich bewundert, was für eine Arbeit die heimischen Bauern tagtäglich vollbringen und wie viel Leidenschaft sie in ihre Tätigkeit stecken. Mittlerweile gibt es leider einen Mangel an Landwirten und jenen, die es werden wollen. In diesem Beitrag erkläre ich dir, wie die Ausbildung zum Landwirt abläuft und was Bauern bewegt bzw. ausmacht.

Ich habe mich in diesem Beitrag dazu entschieden, das Wort Bauer und Landwirt nicht zu “gendern”, um den Lesefluss nicht zu stören. Keinesfalls möchte ich damit die wertvolle Arbeit aller Landwirtinnen und Bäuerinnen schmälern.

Inhaltsverzeichnis

Ein Arbeitstag als (Bio) Bauer
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1) So wird man Landwirt

In Österreich kann man auch ohne Ausbildung bzw. formelle Qualifikation Landwirt (umgangssprachlich Bauer) werden. Eine gute Ausbildung und reichlich praktische Erfahrung sind jedoch das A und O, um einen landwirtschaftlichen Betrieb erfolgreich führen zu können. Aktuell gibt es hier im Land einige attraktive landwirtschaftliche Ausbildungsmöglichkeiten, die dich zum (optional Bio) Bauern machen.

Ich durfte heuer im Rahmen der AMA Bio Blogger Tour den Bio Schweinestall einer landwirtschaftlichen Lehranstalt in Tirol besuchen und dabei nicht nur über die Ausbildung, sondern auch über den gesamten Weg der Schweine (von Geburt bis Verkauf bzw. Schlachtung) erfahren.

Erster Ausbildungsweg für werdende Bauer

  1. Lehre: Die LFA (Land- und forstwirtschaftliche Lehrlings- und Fachausbildungsstelle) bietet 15 verschiedene Lehrberufe an, die jeweils in 3 Jahren absolviert werden und wo zusätzlich noch eine Facharbeiter- oder Meisterausbildung abgelegt werden kann.
  1. Höhere Schule: Hier wird nach einer 5-jährigen schulischen Ausbildung mit landwirtschaftlichem Schwerpunkt mit der Reifeprüfung (Matura) abgeschlossen. Auch ein 3-jähriger Weg ist möglich (ohne Matura).
  1. Fachschule: In Österreich gibt es zusätzlich noch etwa 96 land- und forstwirtschaftliche Fachschulen, wo die Ausbildung zwischen 2 und 4 Jahre dauert und diese auch auf dem zweiten Bildungsweg durchführbar ist.
  1. Bachelor, Master: Wird eine höhere Qualifikation im land- und forstwirtschaftlichen Bereich angestrebt, bietet beispielsweise die BOKU in Wien einen eigenständigen Bachelorstudiengang (Agrarwissenschaft und Forstwirtschaft) an. Vertiefende Masterstudiengänge in den spezifischen Bereichen können dann noch angehängt werden.
  1. Kurse (LFI): Über das LFI (ländliches Fortbildungsinstitut) werden auch Kurse angeboten, die die Inhalte zur Hofübergabe, Hofübernahme und das Betriebskonzept abdecken.
Ein Arbeitstag als (Bio) Bauer

2) Die Priorität der Bauern: Tierwohl und Tierhaltung

Letztlich liegt das Wohl der Tiere beim Bauern. Eine gute Mensch-Tier-Beziehung zu pflegen, ist das Wichtigste, um das Tier gesund zu halten und den eigenen Betrieb wirtschaftlich optimal führen zu können. Mit den Bestimmungen zu Tierhaltung und Tierwohl, die gesetzlich festgelegt sind, wird versucht, Tierwohl und Wirtschaftlichkeit zu vereinbaren.

Entscheidet man sich für eine Bio-Landwirtschaft, gibt es hier besondere Vorgaben, die auch regelmäßig kontrolliert werden. Die Bedürfnisse der Tiere stehen an oberster Stelle und werden in “Fünf Freiheiten” zusammengefasst:

  • Freiheit von Hunger, Durst und Fehlernährung
  • Freiheit von Unbehagen
  • Freiheit von Schmerz, Verletzung und Krankheit
  • Freiheit von Angst und Leiden
  • Freiheit zum Ausleben normalen Verhaltens

Wusstest du, dass der prozentuale Anteil der Bio-Tiere in Österreich je nach Tierart sehr unterschiedlich ist? Mehr als 50% der Ziegen im Land dürfen biologisch leben und auch knapp 30% der Schafe. Nur 22% Rinder, 19% Geflügel und magere 3% der Schweine sind Bio.. Umso spannender war es für mich, den Bio-Schweinebetrieb zu besuchen und zu sehen, wie entspannt, glücklich und sauber die Tiere sind.

Beruf(ung) Landwirt: Bildungsweg und Aufgaben eines Bauers

3) So kommt das “Bio” zum Bauern

Die Ausbildungen zum Landwirt spezialisieren sich grundsätzlich nicht auf die reine Bio-Landwirtschaft, sondern zeigen alle Varianten auf. Natürlich kann man während der Ausbildung mehr über die Bio-Landwirtschaft erfahren (durch Spezialisierungen), die Entscheidung trifft dann aber jeder Bauer selbst, wenn er eine Landwirtschaft führt.

Der Um- oder Einstieg auf die Bezeichnung “bio” ist je nach landwirtschaftlichem Betrieb mit mehr oder weniger Aufwand bzw. Umstellung der Organisation und Betriebsführung verbunden. Es funktioniert nicht von heute auf morgen, die eigene Landwirtschaft auf Bio umzustellen – es benötigt ausreichend Vorbereitungszeit, Umgestaltung der Fruchtfolge und Anpassung von Stallgebäuden. Für Interessierte Bauern gibt es hierzu ein großes Angebot an Seminaren und Ausbildungen, die die Umstellung zur Bio-Landwirtschaft erleichtern sollen.

Um als Bio-Betrieb anerkannt zu werden, braucht meinen einen Kontrollvertrag mit einer akkreditierten Kontrollstelle. Es folgt dann eine Übergangsfrist von 2 Jahren, in der man bereits nach den Richtlinien der biologischen Landwirtschaft arbeitet, aber die Produkte noch nicht als Bio verkaufen darf. Einmal pro Jahr wird der Betrieb (z.B. die Verwendung von Bio-Saatgut, Düngung, Tierhaltung, etc.) kontrolliert.

Natürlich gibt es auch einige Förderungen vom Staat, sollte man sich für eine Umstellung auf eine Bio-Landwirtschaft entscheiden. Kennzeichnungen wie das AMA-Biosiegel helfen Konsumenten dabei Bio-Produkte schnell zu erkennen.

BIO aus Österreich – Von der Milch zum Käse
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4) Ein Arbeitstag als (Bio) Bauer

Bis die Produkte, so wie wir sie kennen, in das Supermarktregal kommen, bedarf es sehr vieler intensive Arbeitsschritte. Diese starten beim Bauern, der die Tiere versorgt: Früh morgens steht der Landwirt im Stall, um seine Tiere zu füttern und, wenn nötig, zu melken (außer bei Schweinen). Danach werden sie auf die Wiese geschickt, wo sie sich austoben und weiterfressen dürfen. Währenddessen muss der Stall ausgemistet und neu ausgestreut werden. An sonnigen Tagen wartet dann meist auch noch das Feld auf den Bauern, dass entweder gemäht, umgelegt oder das Heu eingesammelt werden muss.

Egal ob bio oder konventionelle Landwirtschaft: Bauern lieben ihre Tiere (oder Pflanzen) und stecken ihr gesamtes Herzblut in ihren Betrieb. Das Bauer-sein ist kein “9 to 5 job”, sondern man unterschreibt quasi einen “all-in” Vertrag. Die Sommermonate sind sehr arbeitsintensiv und anstrengend. Die Wintermonate können die Bauern dann meist nutzen, um sich etwas zu erholen und neue Projekte, Bauten oder ähnliches umzusetzen.

Obwohl der Beruf Bauer ein sehr anstrengender ist, kenne ich keinen Bauern, der bereut, diesen Weg eingeschlagen zu haben. Sie sehen es als Berufung, und nicht als Beruf. Im Grunde ist es wohl nichts anderes, als für mich mit meinem Unternehmen Koch mit Herz: Sie haben ihr eigenes Unternehmen (in dem Fall die Landwirtschaft) und geben alles dafür!

Dieser Beitrag entstand in Kooperation mit AMA Bio

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